Der Fuchs und der Ziegenbock
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Quer über Steg und Stein und Stock
ging einst mit einem Ziegenbock
der Feldherr Fuchs durchs Sommerland
und prahlte unermesslich schier.
Der Bock, ein riesenhaftes Tier,
war von armseligem Verstand.
Doch bald verstummte das Erzählen,
denn Durst begann das Paar zu quälen,
so qualvoll stark, dass sonder Worten
die Zungen fast im Maul verdorrten.

Da, endlich, ach, in größter Pein,
tat endlich sich ein Brunnen auf.

Das Paar sprang atemlos hinein
und trank sich satt und schlürfte fein
und blickte alsbald sorgend auf.

O weh, ist dieser Brunnen tief,
der Ziegenbock verzweifelt rief.

Der Feldherr Fuchs jedoch fiel ein:
Zu tief fürwahr, als dass allein
man jemals ihn verlassen kann.
Mein Freund, wir schaffen’s nur zu zwein
Du stellst dich auf, steil an die Wand.
Ja, so, mein Freund, nur etwas weiter,
so dass wie über eine Leiter
bis droben an des Brunnens Rand
ich klettern und dich also dann
bequem nach oben ziehen kann.
So wird es gehen, Gevatter, warte,
eins-zwei erreichen wir das Ziel.

Da rief der Bock: bei meinem Barte,
das ist ein Einfall, Dunnerkiel,
o solche Leute, ha, wie du,
die sagen mir von Herzen zu.
Denn mir, ach Gott, du musst verzeihn,
fiel niemals solche Lösung ein.
Und so geschah’s. Der Feldherr wand
sich über’n Ziegenbock empor
und trug, als er dann droben stand,
die folgende Epistel vor:
Wär‘ dein Verstand so rund und schön
wie deine Schnurrbarthaare stehen,
er hätte dich davor bewahrt
in solch leichtfertig blinder Art
in diesen Brunnenschacht zu springen.
Leb wohl, mein Lieber, ich bin frei,
üb du Geduld im Händeringen,
dein Los ist mir ganz einerlei.
Hab‘ keine Zeit, dir lang zu raten;
Mich rufen bessre, größre Taten.

So sprach der Feldherr, querfeldein
den selbstbewussten Schritt zu lenken.-
Bei jeder Sache, groß und klein,
muss stets ihr Ende man bedenken.