Der Lindwurm vom Frankenstein
bearbeitet von Vera Alice Glöckner

 

Es war einmal, und es war auch nicht. … In früheren Zeiten, als man noch zu Fuß von einem Dorf zum anderen wanderte, da gab es ein Dorf „Eberstadt“, zwei Stunden zu Fuß von Darmstadt entfernt. Und über dem Dorf Eberstadt da liegt die Burg Frankenstein.
Nun geht die Sage, dass einstmals auf der Burg Frankenstein ein Ritter „Georg von Eberstadt“  wohnte und der Lehnsherr von Eberstadt und seinen Bewohnern war. Das bedeutete, die Bauern mussten alljährlich von ihrer Ernte und dem Viehbestand Ritter Georg von Eberstadt einen Teil abgeben.
Da war unten im Dorf ein Brunnen, von dort mussten sich alle Bewohner des Dorfes Eberstadt das Wasser für die Familie, für die Äcker und das Vieh holen. Auch der Ritter Georg musste sich das Wasser vom Dorfbrunnen holen oder bringen lassen. Neben dem Dorfbrunnen aber wohnte ein großer Lindwurm mit einem sehr, sehr langen Pfeilschwanz. Und nur, wenn er etwas zu fressen bekam, konnte man vom Dorfbrunnen Wasser holen. Es verlangte ihm immer nach einem nicht zu kleinen Tier, wie etwa ein Schwein, ein Schaf oder ein Kalb. Bekam der Lindwurm nichts zu fressen, dann fraß er eben die Leute, die sich Wasser holen wollten.
Das war sehr ärgerlich für den Ritter Georg, schmälerte das doch sein Einkommen, die Bauern konnten ihm nicht so viel von ihrem Vieh abgeben und auch konnten sie nicht so viel ernten, denn wenn es nicht regnete und sie die Äcker nicht wässern konnten, dann wuchs da ja auch nichts.
So entschloss sich schließlich der Ritter Georg den Lindwurm zu töten. Also zog er seine Rüstung an, nahm Schwert, Schild und Streithammer und zog gegen den Lindwurm in den Kampf.                Es entbrannte ein gar wilder und harter Kampf. Der Lindwurm spie Feuer und schlug mit seinem Pfeilschwanz um sich, der Ritter Georg aber kämpfte tapfer gegen den Lindwurm an. Endlich gelang es Ritter Georg dem Lindwurm den Kopf abzuschlagen. Aber der Lindwurm hatte sich um  Ritter Georg gekringelt und stach ihm hinterwärts, dort, wo die Rüstung den Körper nicht mehr bedeckt, in die Kniekehle. Und da der ganze Lindwurm über und über, außen und innen giftig war, musste der wackere Ritter Georg von der Burg Frankenstein am Drachengift elendiglich sterben.
Ritter Georg vom Frankenstein ist auf dem Eberstädter Friedhof begraben worden, dort wo schon seine Väter begraben wurden.  In der Eberstädter Kirche gibt es  noch alte Grabmäler von den Herren vom Frankenstein und Eberstadt.
Die Bauern vom Dorf Eberstadt errichteten aus Dankbarkeit für ihre Erlösung von dem schrecklichen Lindwurm ein paar Meter unterhalb der Burg Frankenstein  ein Monument. Das zeigte den Ritter Georg im Harnisch, mit Schwert, Schild und Streithammer in Lebensgröße und mit einem Fuß trat er auf den Lindwurm, dessen Schweif sich nach seiner Kniekehle richtete.
Ich habe dieses Denkmal noch gesehen, früher als ich mit meiner Schulklasse und unserem Lehrer Friedrich Kirschner von der Frankensteinschule in Eberstadt zur Burg Frankenstein wanderte.
Jetzt gibt es das Denkmal nicht mehr, aber vielleicht kannst Du ihm ja ein neues Denkmal zeichnen. Und die Burg Frankenstein, die kennst Du sicher auch.